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taz Nr. 7233 vom 13.12.2003

Homo-Mahnmal kommt - ohne CDU

Der Bundestag beschloss, ein Mahnmal für die von den Nazis verfolgten Homosexuellen zu errichten. Kosten: anderthalb Millionen Euro. Standort soll der Tiergarten in Berlin sein - gegenüber dem im Bau befindlichen Holocaust-Mahnmal

von JAN FEDDERSEN

Bis zur Abstimmung hoffte man im rot-grünen Lager noch auf abweichende Stimmen aus der Union. Doch am Ende waren die Verhältnisse wieder genau zu unterscheiden: Mit den Stimmen der Regierungsfraktionen beschloss der Bundestag gestern, ein Denkmal für die unter dem Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zu errichten.

Immerhin votierten auch die oppositionellen Freidemokraten für den Antrag. Nun wird das Land Berlin beauftragt, sich des Procederes anzunehmen, damit das Denkmal auch realisiert werden kann.

Über die Kosten traf der Bundestagsbeschluss keine Aussage - über sie soll Kulturstaatsministerin Christina Weiß mit dem Haushaltsausschuss beraten.

Der Kreis der außerparlamentarischen Gruppe "Initiative ,Der homosexuellen NS-Opfer gedenken'" schätzt die Kosten des Projekts auf anderthalb Millionen Euro. Für dessen Sprecher Albert Eckert ist ein Areal am Tiergarten, gegenüber dem im Bau befindlichen Holocaust-Mahnmal, der perfekte Platz: In den letzten Ausläufern der Grünanlagen am Brandenburger Tor etablierte sich schon zu Beginn der metropolen Geschichte Berlins ein reger Ausflugsverkehr Homosexueller, der bis heute anhält. Eckert zum Bundestagsbeschluss: "Es ist ein großer Tag für alle, die der homosexuellen NS-Opfer gedenken wollen."

Also kein famoser Tag für die beiden Debattenredner der Union. Denn sie stellten sich quer zum geschichtspolitischen Anliegen der Rot-Grünen.

Günter Nooke beharrte auf ein Gesamtkonzept des Gedenkens für alle Opfergruppen der Nationalsozialisten, was Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, mit den Worten kommentierte, wer ein Gesamtkonzept wolle, setze stets auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.

Vera Lengsfeld hielt eine Rede, die vom Ton her von einer Atmosphäre des "Nun ist genug" geprägt war: Homosexuelle hätten doch in Berlin schon eine Gedenktafel am Nollendorfplatz (in der Weimarer Republik wie heute Zentrum schwul-lesbischer Öffentlichkeit) - und ein Denkmal im früheren Konzentrationslager Sachsenhausen oberhalb von Berlin.

Der Hamburger Johannes Kahrs von der SPD, in seiner Partei der einzig offen schwule Abgeordnete, begründete den rot-grünen Antrag wie Volker Beck mit dem Schicksal Homosexueller unter den Nazis - zu tausenden verfolgt, eingeknastet und in Konzentrationslagern als Männer mit dem rosa Winkel umgebracht.

Für ihn als Sozialdemokraten sei es eine Ehre, diese Opfer endlich auch auf diese Weise rehabilitieren zu dürfen, sagte Kahrs.

Von Unionsseite gab es hierfür keinen Beifall. Abweichler aus diesen Reihen gab es keine. Man stimmte geschlossen gegen diese kaum mehr als kleine Geste. Nach den Verhandlungen um die Kosten soll ein öffentliches Kolloquium zum Thema stattfinden, danach ein Wettbewerb um die Gestaltung des Denkmals. Deren Initiatoren hoffen, schon 2005 mit den Bauarbeiten beginnen zu können.

taz Nr. 7233 vom 13.12.2003, Seite 7, 101 Zeilen (TAZ-Bericht), JAN FEDDERSEN

http://www.taz.de/

 

 

 

 

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