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Dokumentation des Grauens

Die Ausstellung "Medizin und Verbrechen" in Oranienburg erinnert an ungeheuerliche Geschehnisse

Von Sven Kästner, Oranienburg

Sie gehörten zu den perfidesten Verbrechen des Nationalsozialismus, und bis heute ist das Thema kaum erforscht:
Pseudomedizinische Experimente von NS-Ärzten, für die sie Häftlinge der Konzentrationslager als Versuchspersonen missbrauchten. Die Gedenkstätte Sachsenhausen im brandenburgischen Oranienburg erinnert mit der am Wochenende eröffneten Dauerausstellung "Medizin und Verbrechen" an die ungezählten Opfer.
In den vier noch erhaltenen Krankenbaracken werden die ungeheuerlichen Geschehnisse im Krankenrevier des ehemaligen KZ dokumentiert. In Lager nördlich von Berlin lassen sich fast 30 verschiedene Arten von Menschenversuchen nachweisen. Unter anderem testeten NS-Ärzte an den ihnen wehrlos ausgesetzten Häftlingen Psychopharmaka und vergiftete Munition. Sie infizierten Menschen mit schweren Wundentzündungen, um Medikamente zur Heilung von Kriegsverletzungen zu probieren. Auf der Suche nach Therapiemöglichkeiten steckten sie Häftlinge mit Tbc, Fleckfieber oder Hepatitis an.
Die Nazi-Mediziner kastrierten Homosexuelle und sterilisierten unzählige Menschen, weil sie als "rassisch", sozial oder biologisch minderwertig angesehen wurden.
Der Wehrmachtsarzt Arnold Dohnen infizierte jüdische Kinder mit dem Gelbsucht-Erreger. In Sachsenhausen pferchte er sie in ein Zimmer der Krankenbaracke und nahm regelmäßige Leberpunktionen vor. Marinearzt Hans-Joachim Richert und der leitende Lagerarzt in Sachsenhausen, Heinz Baumkötter, verabreichten Häftlingen Kokain und das Aufputschmittel Pervertin.
Die skrupellosen Mediziner wollten ein leistungssteigerndes Mittel für U-Boot-Führer entwickeln, damit diese mehrere Tage ohne Schlaf auskommen können. Abgesehen vom hohen Suchtpotenzial der Substanzen mussten die Häftlinge unter deren Einfluss tagelang auf einer rund um den Appellplatz angelegten, 700 Meter langen Laufbahn marschieren. Unter der Aufsicht gnadenloser SS-Wärter wurden die Opfer doppelt ausgenutzt: Gleichzeitig testete die Industrie bei dem Zwangs-Dauerlauf über täglich etwa 40 Kilometer die Haltbarkeit von Schuhsohlen. An anderen Häftlingen testete die SS vergiftete Munition, indem Wärter die Opfer so anschossen, dass sie nicht an der Schussverletzung starben. Vielmehr sollten sie erst an der Vergiftung zu Grunde gehen.

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Sächsische Zeitung, 09.11.2004

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