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Jüdische Zeitung - Februar 2006

Mahnmal für Schwule und Lesben
Weitere Holocaust-Gedenkstätte in der Hauptstadt

Drei Jahre nach dem entsprechenden Beschluss des Deutschen Bundestags soll gegenüber des Berliner Holocaust-Mahnmals am Brandenburger Tor eine weitere Gedenkstätte für Opfer der NS-Zeit errichtet werden. Sie wird an die Zehntausenden verfolgten und ermordeten Schwulen und Lesben erinnern, die dem Regime zum Opfer fielen. In den NS-Gefängnissen zählten die Homosexuellen zur untersten Stufe der Gefangenen. Ein «rosa Winkel» kennzeichnete sie in Konzentrationslagern.

Wie die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Mitte Januar mitteilte, werde man den Entwurf des norwegisch-dänischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset realisieren. Die Erinnerungsstätte assoziiere dann mit dem benachbarten Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals von Peter Eisenman, in dem es die Grundform einer Stele aufgreife und zu einem Wohnhaus vergrössere. Der von außen kühle Gesamteindruck der Betonsäule bekomme durch einen Blick in das Haus «hinein» einen «ganz intimen Aspekt»: Ein projiziertes Filmbild werde zwei Männer in ihrer gezwungenermaßen versteckt-privaten Welt darstellen, eine «endlos wirkende Kussszene» wird sichtbar. Ohne Hilfestellungen oder Erklärungen werde das Thema der Homosexuellenverfolgung «direkt und doch subtil» vorgestellt.

Eine ähnlich nonverbale Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wurde in Berlin schon mehrfach gewählt, etwa beim «Verlassenen Raum» von Karl Biedermann, einem umgestoßenen Stuhl auf dem Koppenplatz als Symbol der Eile, mit der die Juden ihre Heimat verlassen mussten, oder bei der Erinnerungsstätte an die Bücherverbrennungen: schneeweiße, leere Regale, eingelassen unter einer Glasplatte auf dem Hegelplatz. An die verfolgten Schwulen und Lesben erinnert derzeit nur ein kaum als solches erkennbares Denkmal am U-Bahnhof Nollendorfplatz, eine Stele in den «Rainbow Colours», dem Symbol der Homosexuellenbewegung.

Günter Dworek, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland und Albert Eckert, Sprecher der Initiative «Der homosexuellen NS-Opfer gedenken» begrüßten die Umsetzung de Bundestagsbeschlusses und regten eine schnelle Realisierung an. Das Parlament stellt für den Bau 450.000 Euro zur Verfügung.

Ludwig BEER

Jüdische Zeitung - Unabhängige Monatszeitung für zeitgenössisches Judentum
http://www.j-zeit.de

 

 

 

 

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