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Berliner Zeitung vom 04. Mai 2001

MAHNMAL
Erinnerung an homosexuelle Naziopfer

Sigrid Averesch

BERLIN, 3. Mai. Die Gedenktafel am Berliner U-Bahnhof Nollendorfplatz ist schlicht. "Totgeschlagen. Totgeschwiegen. Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus" steht auf dem Stein in Form des Rosa Winkels, jenes Zeichens, das die Homosexuellen in den KZs tragen mussten. Die Berliner Gedenktafel ist eine von nur drei in Deutschland. Das Erinnern an die Leidensgeschichte der Homosexuellen im Dritten Reich, in dem 50 000 von ihnen verfolgt und 20 000 inhaftiert wurden, fällt den Deutschen schwer.
Noch in den Nachkriegsjahren wurde ihr Schicksal unter den Nazis kaum erwähnt. Die Kriminalisierung der Homosexuellen durch den von den Nazis geschaffenen Paragrafen 175 setzte sich auch in der Bundesrepublik fort. Abgeschafft wurde er erst 1994. Inzwischen hat der Bundestag an die homosexuellen NS-Opfer erinnert und sich auch für die Diskriminierung in der Bundesrepublik entschuldigt.

Nun soll nach dem Willen der Schwulenverbände mit einem Denkmal ein weiterer Schritt folgen. Am Donnerstag starteten sie dazu einen Aufruf. "Ein würdiger Gedenkort in der Bundeshauptstadt Berlin" soll entstehen, fordert die Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken", die sich seit Anfang der 90er-Jahre diesem Vorhaben widmet. Zentral soll das Denkmal nach ihrer Vorstellung liegen, möglichst nahe dem geplanten Holocaust-Mahnmal zwischen Tiergarten und Wilhelmstraße. Ein Anliegen, das von den Schriftstellern Günter Grass und Walter Jens, dem Vorsitzenden des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, vom Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und von den Historikern Julius Schoeps und Reinhard Rürup unterstützt wird.

Langer Streit
Unumstritten sind die Pläne allerdings nicht, wie schon die Entstehungsgeschichte des Holocaust-Mahnmals ausweist. Über zehn Jahre wurde gestritten, bis der Bundestag 1999 die Gedenkstätte beschloss. Vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) hatte sich immer wieder gegen die Denkmale in der Mitte Berlins gewandt, zuerst gegen das Holocaust-Mahnmal, dann gegen das Denkmal, mit dem an die Ermordung der Sinti und Roma unter den Nazis gedacht werden soll. Eine "Gedenkmeile" sollte verhindert werden. Doch inzwischen ist auch dieser Streit beigelegt. Nahe dem Reichstag soll an die Verfolgung der Sinti und Roma erinnert werden.

"Jede Opfergruppe braucht ein Denkmal", ist Lea Rosh überzeugt, die schon das Holocaust-Mahnmal initiiert hat. Sie wendet sich gegen den Vorwurf einer "Inflation" von Gedenkstätten: "Die Verfolgung war so entsetzlich. Wir müssen uns unserer Geschichte stellen." Rosh wünscht sich eine differenzierte Erinnerung an die Verfolgung der verschiedenen Gruppen im Dritten Reich. "Man muss die Unterschiede deutlich machen", sagt sie. Die systematische Vernichtung der Juden müsse unterschieden werden von der Verfolgung der Homosexuellen, die in deutschen KZ inhaftiert wurden, oder den Euthanasie-Opfern. Und Rosh verweist darauf, dass der Bundestag in seinem Beschluss zum Holocaust-Mahnmal dies auch so gesehen habe.

Der Aufruf steht unter: http://www.gedenkort.de

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www.berliner-zeitung.de

 

 

 

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